WAS WIR VOM APFEL
WISSEN MÜSSTEN von Ing.
Helga Wagner, 4060 Leonding

Der Apfel ist von allen Obstarten die Herausragendste - keine andere Frucht ist so alt in der Vetwendung, keine andere Frucht steht so hoch in der Verehrung in Kult, Brauchtum und Dichtung. Wir wollen daher nach dem reichen Apfelsegen dieses Jahres uns näher mit dieser Frucht beschäftigen.
"..Mit einem Apfel Jeden Tag verscheuchst du dir die Doktorplag"
Dieses Zitat steht im Büchlein von Frau Maria Müller "Was die Bauernfamilie von der neuzeitigen Ernährung wissen müßte" als Überschrift des Kapitels: "Früchte und Beeren"
Damit ist ausgedrückt, wie wichtig der Apfel für unseren Körper ist, daß er nicht nur Nahrungsmittel, sondern auch Heilmittel ist und imstande, uns vor Schäden zu bewahren. Geruch und Geschmack sind je nach Sorte verschieden, das Aroma jedoch köstlich, egal, ob süß, herb, säuerlich oder saftig. Viel zu wenig beachtet werden seine Heilwerte.
In den reifen Früchten sind die Wtamine A, B und C ergiebig vorhanden, da jedoch in der Schale 6mal mehr Vitamin C enthalten ist wie in der Frucht, sollen Äpfel immer mit der Schale gegessen werden. Äpfel sind langsam und sorgfältig zu kauen und dürfen beim Genuß nicht kalt sein (nicht aus kalten Lagerräumen und Kühlschränken), sollen sie leicht verdaulich sein. Roher Apfelbrei ist ein vorzügliches Mittel, sowohl gegen Darmträgheit, als auch gegen Durchfall und Darmkatarrh.
Richtiger Apfelgenuß hat einen tiefgehenden Einfluß auf den Gesamtstoffwechsel, wirkt heilend bei allen gichtischen und rheumatischen Erkrankungen, bei rheumatischen Leber- und Nierenleiden, bei Arterienverkalkung und bei frühzeitigen Alterserscheinungen. Die blutreinigende Wirkung kann hartnäckige Ekzeme zum Abheilen bringen und geistige Abspannungs- und Ermüdungserscheinungen sind durch regelmäßigen Apfelgenuß zu beheben. Apfelsaft als Hausgetränk ist das beste Mittel im Kampf gegen Alkoholmißbrauch.
So viel über die gesundheitliche Seite des Apfels, seine Nahrungs- und Heilwirkung!
Nun zu seinem Herkommen:
Der Apfel ist die wichtigste Obstart Europas, ja der ganzen Welt. Der Wildapfelbaum zählt zur mitteleuropäischen Pflanzengemeinschaft des Waldes und der Heide. Der zahme Apfelbaum stammt aus Westasien.
Karl der Große ordnete im "caputulare de vilils" (Reichsverordnung über den Anbau von Heil-und Gewürzpflanzen, Obstbäumen und Beerensträuchern) die Pflanzung von Apfelbäumen an. Um 1600 gab es bereits 200 Apfelsorten, heute sind es über 2000. Die Kultur des Apfelbaumes ist fast über die ganze Erde verbreitet.
Seine Bedeutung in der Mythologie
Der Apfel war bei allen alten Völkern Europas ein Symbol von Liebe und Fruchtbarkeit. Im alten Griechenland erhielt Hera bei ihrer Hochzeit mit dem Göttervater Zeus von Gaia (die Erde) goldene Äpfel geschenkt, die von Jungfrauen, den Hesperiden, an der westlichen Grenze der Welt auf einem Eiland im Paradies garten gehütet wurden. Diese Äpfel zu gewinnen, war die zwölfte Arbeit des Herakles - von König Eurytheus ihm aufgetragen. Herakles gewann nach Überwindung zahlreicher, feindlicher Mächte die Äpfel, die ihm Eurytheus letztendlich schenkte,erkennend, daß Herakles durch keine noch so schwierige Aufgabe zu Fall zu bringen war. Herakles schenkte die Äpfel der Göttin Athene, die sie wieder an den alten Ort brachte.
In der germanischen Mythologie hütet ldun, die Gattin Bragis, des Gottes der Dichtkunst, Äpfel, von deren Besitz die ewige Jugend der Götter abhängt. lduns Sitz ist Brunnakr, dh Brunnen-feld, das Reich mit dem alles belebenden Jungbrunnen. Der Riese Thiazi zwang den von ihm gefangenen Loki ldun samt den Äpfeln ihm zuzuführen; Loki gewann sie jedoch bald zurück.
In beiden Mythologien ist das Hauptthema die Gesundheit, Jugend und fruchtbarkeitsspendende Kraft des Apfels; ein Raub muß sofort korrigiert werden.
Im keltischen Baumkreis sind derApfelbaum und der Feigenbaum die einzigen Obstgehölze und flankieren mit ihren Tagen links und rechts die Sommer- und die Wintersonnenwende. Die Tage des Apfelbaumes sind demnach 25. Juni bis 4. Juli und 23. Dezember bis 1. Jänner. Der Apfelbaum war den Kelten das Symbol der Vollendung, der Ausdruck habender Verbundenheit von Natur und Mensch, von Leben und Tod, von dieser und der Anders-Welt. Der im Apfelbaum Geborene vermittelt zwischen Himmel und Erde, zwischen Ideal und Wirklichkeit, zwischen Gut und Böse; sein Leitbild ist die Liebe zum ungeteilten Leben.
Dieser Hoch verehrung des Apfels und seines Baumes stehen zwei andersgerichtete Begeben-heiten gegenüber:
> In der griechischen Sage fördert der Apfel, den Paris Aphrodite als Schönheitspreis zuer-kennt, den Trojanischen Krieg.
> In der Bibel wird der verbotenerweise gepflückte und verzehrte Apfel zum Symbol des Sün-den falles und der Erbsünde.
Dagegen spielt der Apfelbaum eine große Rolle als Prüfungsaufgabe im geliebten Märchen von Frau Holle; eine hohe Erhöhung findet die Frucht als immerwährenden Behang am Weihnachts-baum.
Halten wir uns daher an die, alle anderen Obstarten an Fülle übertreffenden Eigenschaften von Ernährungs-, Genuß- und Heilwerten und fügen wir diese außerordentliche Frucht, die uns so gut bekommt, unserem täglichen Speiseplan ein. Wir werden es nicht bereuen, denn der Apfel ist eine Frucht des Segens!
Bei einem Wirte
wundermild
war ich einst zu Gaste;
ein goldner Apfel war sein Schild
an einem langen Aste.
Es war der gute
Apfelbaum,
bei dem ich eingekehret;
mit seiner Kost und frischem Schaum
hat er mich wohl genähret.
Es kamen in sein
grünes Haus
viel leichtbeschwingte Gäste;
sie sprangen frei und hielten Schmaus
und sangen auf das beste.
Ich fand ein Bett
zu seiner Ruh
aufweichen, grünen Matten;
der Wirt, er deckte selbst mich zu
mit seinem kühlen Schatten.
Nun fragt ich nach
der Schuldigkeit,
da schüttelt er den Wipfel;
gesegnet sei er alle Zeit
von der Wurzel bis zum Gipfel!
(Volksweise)